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 Ojmjakon - das kälteste Dorf der Welt
Ojmjakon ist eine mehrere hundert Einwohner zählende Ortschaft im Osten der Republik Jakutien (Sakha) praktisch am Ende einer etwa 35 km langen Stichstraße, die ungefähr auf halber Strecke von der alten Verbindungsstraße zwischen der Lena-Metropole Jakutsk und der Hafenstadt Magadan am Ochotskischen Meer abzweigt, jeweils etwa 800 km von beiden Städten entfernt. Da letztere Straße unter schwierigsten Bedingungen von Zwangsarbeitern in der Stalin-Ära errichtet worden ist, wird sie auch "Straße der Totengebeine" oder "Straße der Knochen" genannt. Seit 2008 allerdings (andere Quellen nennen das Jahr 2011) ist die Streckenführung der als R504 bezeichneten Fernstraße in diesem Bereich auf eine zum Teil neu gebaute Straße über die weiter nördlich gelegene Bergarbeiterstadt Ust-Nera umgelegt worden.

Ojmjakon (wörtlich: "Heiße Quelle") liegt am Oberlauf der Indigirka in einem breiten Hochtal auf etwa 700 m Seehöhe, umgeben von den bis zu 3000 m hohen Gebirgszügen des Tschersker Gebirges im Nordosten und der Suntar Chajata im Südwesten, etwa 240 km südlich des nördlichen Polarkreises. Etwa 35 km weiter südöstlich, an der Einmündung der Stichstraße in die ehemalige R504 (neue Bezeichnung: 98N-002), liegt die etwa 1500 Einwohner zählende Ortschaft Tomtor, in deren Nähe sich der Flugplatz und die WMO-Wetterstation mit dem Namen "Ojmjakon" befinden.

Der Flugplatz Tomtor/Ojmjakon ist allerdings seit längerem während der Frostperiode geschlossen. Mit dem Flugzeug anreisende Kältetouristen müssen daher über den ganzjährig geöffneten Flugplatz Ust-Nera und anschließenden Autotransfer in die Region Tomtor/Ojmjakon gelangen.

 "Poljus Choloda" - Kältepol der Nordhalbkugel
Während des Hochwinters der Nordhalbkugel gehört Ojmjakon/Tomtor oft zu den Orten mit den weltweit niedrigsten Temperaturen, und an der örtlichen Wetterstation wurde auch die bisher tiefste Temperatur der gesamten Nordhalbkugel seit Beginn der Wetterbeobachtungen gemessen, es ist der "Kältepol" der Nordhalbkugel. Die Angaben über den Meßwert differieren aber; ich habe bisher folgende Angaben gefunden:
6. Februar 1933 -71,2°C
Winter 1938 (undatiert) -77,8°C
Wie nahezu der gesamte Osten und Nordosten Sibiriens weist Ojmjakon ein extrem kontinentales Klima auf. Wie z.B. in den Wintern 2001/02 und 2002/03 können im Hochwinter die Temperaturen auch tagsüber mehrere Tage lang unter -50°C bleiben, vor allem Ende Januar treten Maxima nahe -60°C und Minima unter -60°C auf. In den Wintern 2001/02 und 2002/03 wurde die Marke von -65°C nicht unterschritten. Da die im Hochwinter tiefstehende Sonne kaum einen Beitrag zur Erwärmung der Luft leistet, gibt es in dieser Zeit nur einen schwachen Tagesgang der Temperatur, der allerdings mit steigendem Sonnenstand vor allem ab Mitte Februar stark zunimmt und besonders in den Übergangsjahreszeiten häufig 20 K und mehr erreicht. Der starke Temperaturanstieg im Frühjahr sorgt etwa Ende April erstmals für Tagestemperaturen über 0°C bei immer noch strengem Nachtfrost, der sich aber allmählich weiter abschwächt. Weitestgehend frostfrei ist lediglich der Juli, in dem der kurze, aber warme Sommer seinen Höhepunkt erreicht, z.B. wurden im Sommer 2003 nach nächtlichen Tiefstwerten um 9°C tagsüber Werte um 25°C erreicht, teilweise wurde sogar die 30°C-Marke überschritten (23. Juli: 34°C(!)). Bereits im August treten wieder vermehrt empfindliche Kälteeinbrüche vom Nordpolarmeer auf, die z.T. wieder mäßige Nachtfröste bringen. Im Zuge der herbstlichen Abkühlung ist meist Anfang Oktober letztmals mit Tagestemperaturen über 0°C zu rechnen, und der sich weiter beschleunigende Temperaturrückgang sorgt nur 8 Wochen später bereits wieder für Dauerfrost unter -40°C.

 Geoinformation
 Geographische Koordinaten
Ort Geogr. Breite Geogr. Länge Höhe ü. NN
Ojmjakon, Neue Schule 63°27'30,5"N 142°47'02,5"E 690 m
Tomtor, Flughafen Ojmjakon, Startbahn Westende (nahe Station WMO 24688) 63°14'42,5"N 143°09'12,6"E 746 m
Tomtor, Ortsmitte 63°15'46,2"N 143°12'51,0"E 746 m

Anmerkung: Bisher sind nur in OpenStreetMap Ortspläne von Ojmjakon und Tomtor eingepflegt worden, nicht aber in Google Maps.

 Expeditions-Dokumentationen und Reiseberichte
Seit dem Ende des Sowjetkommunismus und der damit verbundenen Öffnung Rußlands ist die Region Ojmjakon auch einem entsprechend ausgerüsteten und vorbereiteten Normalreisenden zugänglich. Entsprechend wächst seit den 1990er-Jahren, als die ersten Berichte von Expeditionen nach Ojmjakon im Internet auftauchten, die Zahl der Ojmjakon-Reiseberichte im Web stetig. Eine Auswahl von ihnen soll hier kurz vorgestellt werden:

Der Expeditionsbericht von Jarmo Moilanen (Finnland) aus dem Winter 1996/97 war die erste Ojmjakon-Reportage, die ich im Internet fand, und war von mir bereits 2003 auf der ersten Version dieser Seite verlinkt. Der Bericht stammt aus einer Zeit, als der Flugplatz Tomtor/Ojmjakon noch ganzjährig geöffnet war und im Linienbetrieb angesteuert wurde.

Besonders empfehle ich den 45-minütigen Dokumentarfilm "Minus 60 Grad - Das bizarre Leben am Kältepol Sibirien", den Kältejournalist Reinhardt Wurzel zusammen mit einer Handvoll "Kältefreaks" im Rahmen einer Expedition nach Ojmjakon gedreht hat und der eindrücklich die besonderen Umstände einer Reise in das tiefgekühlte Jakutien und das Leben vor Ort unter extremkalten Bedingungen in Jakutsk, der kältesten Großstadt der Welt, sowie näturlich vor allem in Ojmjakon zeigt, mit vielen Messungen und Experimenten die Extremkälte fast miterlebbar macht und den Zuschauer über die ganzjährig - auch im Extremfrost! - im Freien gehaltenen Jakuten-Pferde staunen läßt. Die Film-DVD ist zum Preis von € 14,95 zuzüglich Versandkosten ausschließlich direkt über Reinhardt Wurzels Website "Bilder der Welt" zu beziehen.

Das Team um Reinhardt Wurzel hat auch einen schematischen Ortsplan von Ojmjakon erstellt und darauf die Ergebnisse der in mehreren Teilen des Orts von ihnen durchgeführten Temperaturmessungen verzeichnet. Mir ist es nur zum Teil gelungen, Koinzidenzen zwischen diesem Plan und dem in OpenStreetMap zu findenden Plan herzustellen. Eindeutig erkennbar ist aber die Indigirka-Flußinsel sowie das Gebäude der Neuen Schule, das dank seiner großen Längserstreckung auch in OpenStreetMap sofort auffällt.

Reinhardt Wurzel war anläßlich dieser Expedition mit kurzen Sequenzen und Texten aus seinem Film auch Gast in der Fernsehsendung "Planet Wissen" mit dem Titel "Sibirische Eiszeit - Vom Leben im käl­tes­ten Dorf der Welt".

Sehenswert ist auch Hannes Radas umfangreiche Foto-Dokumentation "Jakutien - Zum Kältepol nach Ojmjakon" auf offthebeatentrack.at. Im Unterschied zu Reinhardt Wurzels Team, das von Jakutsk per Flug nach Ust-Nera und von dort per Autotransfer weiter nach Ojmjakon gelangte, fuhren Hannes Rada und seine Begleiter mit dem Auto von Jakutsk nach Ojmjakon und benutzten dabei anfangs auch den zugefrorenen Strom Lena, der als Autostraße präpariert und für den allgemeinen Verkehr freigegeben wird, sobald die Eisdecke ausreichend dick ist. Neben überwältigenden Landschaftsaufnahmen sowie Fotos von den widerstandsfähigen Jakuten-Pferden und von Kälteexperimenten findet sich hier ein längerer Abschnitt über eine für die Reisegruppe organisierte Folkloreveranstaltung an der Schule von Tomtor.

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